Switch to the english versionFaszinierend dieser Wind...

Allgegenwärtig und doch kann man ihn nicht sehen oder greifen.
Die Folge eines Zusammenspiels der Naturgewalten - mehr nicht! Und trotzdem bewirkt er so viel.

Ich beschäftige mich oft mit seinen Auswirkungen und lasse mich mit meinen Gedanken treiben.
Seine Vielfältigkeit ist für mich beeindruckend. Frei und ungezwungen bewegt er sich über unsere Erde und trägt Samen, Tiere, Gerüche, Elemente und auch Worte in seinem Gepäck.
Mit voller Kraft verändert er beständig mein visuelles Empfinden und das Gefühl in mir, wenn ich ihm begegne.
Mag es der Lufthauch sein, den ich spüre wenn eine Tür zufällt oder mir Jemand ins Ohr pustet...
Mag es das Rauschen eines Blätterwaldes sein, das ich höre oder der Sturm, der ganze Wälder zum Bersten bringt...

Ein besonderes Erlebnis ist es für mich jedes Mal, wenn ich bei meiner Schwester in Italien am klaren, ruhigen, sonnigen Meer sitze. An nichts Besonderes denkend, kommt wie von Geisterhand ein Wind auf und verwandelt die glatte See in ein wogendes Meer. Bringt Wolken heran und zaubert große weiße Wellen. Die Gischt peitscht an die vorgelagerten Felsen und die Sonne bricht die Wassertropfen in allen Farben.
Als hätte Jemand einen Knopf gedrückt, wimmelt es plötzlich nur so von Surfern,
Sky Surfern und Schaulustigen.
Von überall brausen Autos herbei, bepackt mit Brettern Segeln und mehr. Musik dringt aus den Autoradios herüber und vermischt sich mit dem sonstigen Treiben im Sand. Der Strand mit all seinen Besuchern verwandelt sich in ein Freiluftkino. Bunte Segel schmücken das Meer, den Himmel und den Strand. 
Doch lange verweilt der Wind auf seiner Reise nicht. Und so schnell wie das Leben da war, so schnell verschwindet es wieder.
Und zurück bleiben meine Schwester, ich und der Blick auf einen wolkenlosen Himmel...

Wie ja jedes Kind weiß, ist es auch der Wind, der es uns schon früh ermöglichte, die Welt per Segelschiff zu entdecken.
Auch dazu könnte man eine Menge schreiben, jedoch möchte ich hierzu lieber eine kleine Geschichte zum Thema Segelboot aus meinem Umfeld erzählen...

Meine Oma kam während des Krieges nach Hamburg und hatte sich sofort in diese schöne Stadt mit all dem pulsierenden Leben am Hafen verliebt. Eine Seitenstraße der Reeperbahn wurde für sie und ihre Schwester für einige Jahre zur Heimat. 
Oft verweilte sie an der Speicherstadt oder den Landungsbrücken. Das Treiben, das Kommen und Gehen, diese Freiheit, über das Meer zu fahren und andere Welten zu sehen blieben immer in ihrem Herzen verankert. Ab und zu erzählt sie aus diesen Zeiten und ich sehe den Glanz in ihren Augen, der mir so gut gefällt.
Jetzt, wo sie schon auf viele Jahre ihres Lebens zurückblicken kann, sind die Möglichkeiten des Reisens natürlich sehr eingeschränkt. Und so kam es - wir waren wieder einmal unterwegs zu meiner Schwester ins schöne Cilento - dass sie uns eine Bitte mit auf Reisen gab: „ Sylvie, bitte grüß mir das Meer. Spucke einmal hinein und lass doch ein Boot für mich schwimmen. Ich stelle mir vor, ich wäre an Bord.“
Sehr traurig war sie, das Meer und ihr geliebtes Italien welches sie einmal mit uns bereiste, nie mehr sehen zu können...
Und traurig war auch ich, weil es so unabänderlich ist.

So haben wir natürlich gleich ganz viele Boote aus Papier gebaut - jedes mit seinem eigenen Namen wie 
baccio, amore, sole, fantasia - 
....

Und an einem ganz besonders schönen Tag, an dem der Wind günstig stand, ließen wir sie zu Wasser .
Die Gedanken ganz fest bei unserer „wilden Hilde“ (verzeih liebe Oma).

Dafür, dass der Wind nicht greifbar ist, kann er ganz schön ergreifend sein, in welcher Richtung auch immer man sich mit ihm beschäftigen möchte. Wenn ich dieses Phänomen mal auf mich beziehe

So bin ich der Wind meiner Werke!

Und wer jetzt denkt, „...die Frau ist durch den Wind“ ,
dem sei Nachstehendes ans Herz gelegt:

Segelschiffe müssen beim Kreuzen „durch den Wind gehen“, das heißt, eine Wende machen, so dass der Wind nicht mehr die Segel bläht sondern von vorne bläst, bis man das Schiff wieder in den Wind gedreht hat, der die Segel nun von der anderen Seite bläht. Schon bei Jollen ist das nicht immer einfach, viel schwerer noch bei großen Windjammern, denn das Schlagen der Segel kann sie zerstören, der mangelnde Winddruck macht das Schiff schwerer manövrierbar. Es ist ein durchaus anstrengendes, manchmal gefährliches Manöver.
Ist man „durch den Wind“, hat man es geschafft.


Windgespräch

Hast nie die Welt gesehn?
Hammerfest - Wien - Athen?

"Nein, ich kenne nur dies Tal,
bin nur so ein Lokalwind.
Kennst Du Kuntzens Tanzsaal?"

Nein, Kind.
Servus! Muss davon!
Köln - Paris - Lissabon.

Christian Morgenstern (1871-1914)



Mein musikalischer Favorit: Nina Hagen - der Wind - 


Der Wind hat mir ein Lied erzählt

Allein bin ich in der Nacht, meine Seele wacht und lauscht. Herz, hörst du, wie es klingt, in den Palmen singt und rauscht 
Der Wind hat mir ein Lied erzählt von einem Glück, unsagbar schön. Er weiß, was meinem Herzen fehlt, für wen es schlägt und glüht. Er weiß für wen. Komm, komm, Ach. Der Wind hat mir ein Lied erzählt, von einem Herzen, das mir fehlt. 
Am Meer stand ich abends oft und ich hab gehofft, auf was? 
Ich sah bunten Vögeln nach - ach, mein Glück zerbrach wie Glas. Der Wind hat mir ein Lied erzählt von einem Glück, unsagbar schön. Er weiß, was meinem Herzen fehlt, für wen es schlägt und glüht. Er weiß für wen. Komm, komm, Ach. Der Wind hat mir ein Lied erzählt, von einem Herzen, das mir fehlt.

Text: Bruno Balz
Aus dem Film: La Habanera (D, 1937) Regie: Detlef Sierck Darsteller: Zarah Leander, Ferdinand Marian, Karl Martell


Ich freue mich riesig über den folgenden Beitrag und das wundervolle Bild von EMIL PESTEL, einem prima Künstlerkollegen.
Solch eine Idee zum Wind muss man erst mal haben... toll!!

Windbeutel

Zutaten für den Teig (ergibt ca. 12 Windbeutel)

Zutaten für die Füllung

Zubereitung (ca. 90 Minuten)

Den Backofen auf 200° C vorheizen(Umluft 180° C ohne vorheizen). Für den Teig ¼ Liter Wasser mit der Butter und dem Salz aufkochen. Das Mehl sieben und auf einmal in das kochende Wasser schütten.
Mit einem Holzlöffel den Teig 3 bis 4 Minuten durchrühren, bis er sich in einem Klumpen vom Topfboden löst. Den Teig vom Herd nehmen, etwas abkühlen lassen. Dann nach und nach mit dem Handrührgerät die Eier unterrühren. 
Ein Backblech mit Öl einpinseln (oder Backpapier). Zwölf Teighäufchen mit einer Spritztülle oder einem Löffel darauf setzen und das Blech auf die mittlere Einschubleiste in den Ofen setzen. Die Teighäufchen in 20 Minuten goldbraun backen. Sie dann herausnehmen und abkühlen lassen. 
Inzwischen für die Füllung die Himbeeren putzen (gefrorene im Sieb auftauen und abtropfen lassen). Die Sahne steif schlagen und mit dem Vanillezucker süßen. 
Die Windbeutel quer mit einer Schere aufschneiden, auf die Unterseite Sahne und Himbeeren verteilen. Die Deckel darauf setzen und die Windbeutel mit Puderzucker bestäubt servieren. 
Liebe Grüße

Emil


Ging Dir nach im Wind

Ging Dir nach im Wind, Deine Haare flogen.
Wolken kamen wild, als ob sie die Berge zogen
Und auf unserem stürmischen Abendgange
Lehnte sich der Wind unter Deinem Schleier
Dicht an Deine Wange.
Presste Deine Kleider um die Knie
Wollt ‘Dich halten
Wie ein Freier dessen Hände sich
Um Deinen Körper falten.
Wie ein Tänzer wirbelt, wollt er Dich entzücken
Aber Du - lachst ihn aus, wendest ihm den Rücken.
Und der Wind läuft nebenher, fährt Dir um die Schläfen
Muss im Dunkel wie ein Hund
Abgewiesen kläffen.

Max Dauthendey
Aus der Sammlung Lieder der Vergänglichkeit


Wäsche im Wind

Tollt der Wind über Feld und Wiese,
Hat seinen Spaß er überall,
Aber am liebsten neckt er die Liese
Mit einem tückischen Überfall.

Will sie ihr Zeug auf die Leine bringen,
Zerrt er: Liese, dies Hemd ist mein!
Um jedes Laken muss Liese ringen,
Jedes Stück will erobert sein.

Gibt es der Sausewind endlich verloren,
Schlägt er noch im Übermut
Ihr das nasse Zeug um die Ohren:
Da, liebe Liese, häng's auf und sei gut.

Gustav Falke, 1902
Aus der Sammlung Hohe Sommertage